Camping Trun

Erweiterung und Modernisierung Camping Ogna Trun

Projektwettbewerb 2012, 1. Rang / 1. Preis

In Zusammenarbeit mit Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau

Ingenieur Holzbau Walter Bieler

Ausführung 2015 - 2016

Bauherr Campadi Trun SA

Trun    Johann Ludwig Bleuers Darstellung Truns von 1818 zeigt den historischen Dorfkern mit den ersten stattlichen, gemauerten und verputzen Häusern, welche wichtige Zeugen vom Gründungsort des grauen Bundes (1424) und dessen Gerichts- und Tagungsort bis ins 19. Jahrhundert sind. Frei in der Landschaft stehen die gestrickten Bau- ernhäuser für die Bewirtschaftung der Felder. Entlang der südlichen   Talflanke schmiegt sich der Vorderrhein mit der angrenzenden Auen  landschaft und dem Erlenwald.     Heute zeigt sich Trun mit einem intakten, historisch gewachsenen Dorfkern und einer relativ klaren Abgrenzung zur Landschaft. Südlich der Bahnlinie sind einzelne industrielle Betriebe entstanden.   Der zu bearbeitende Perimeter befindet sich innerhalb dieser idyl  lischen Auenlandschaft auf der fachen Talsohle nördlich des Vor  derrheins, immer aber noch mit Distanz zur südlichen Dorfstruktur   – etwas abgelegen – eine Welt für sich.     Sage und Legende    Die Qualität der bestehenden Campinganlage ist in erster Linie die Natur und die Lage im Tal, die Landschafts-kammern mit den umsäumenden Erlen, die spürbare Nähe zum Rhein, zum Wasser. In der Legende wird die Erle immer wieder mit Wunder und   Zauber in Verbindung gebracht. Oft steht sie für das Böse, ist das   Zeichen für bedrohliche, abgelegene düstere Moore, wo sie ideale Bedingungen für ihr Wachstum hat. Auch die mit magischen Kräften behaftete Wünschelrute aus Erlenholz half im Altertum der   Brunnennymphe Tuturna beim   Suchen von Wasserquellen. 

Trun

Johann Ludwig Bleuers Darstellung Truns von 1818 zeigt den historischen Dorfkern mit den ersten stattlichen, gemauerten und verputzen Häusern, welche wichtige Zeugen vom Gründungsort des grauen Bundes (1424) und dessen Gerichts- und Tagungsort bis ins 19. Jahrhundert sind. Frei in der Landschaft stehen die gestrickten Bau- ernhäuser für die Bewirtschaftung der Felder. Entlang der südlichen Talflanke schmiegt sich der Vorderrhein mit der angrenzenden Auenlandschaft und dem Erlenwald.

Heute zeigt sich Trun mit einem intakten, historisch gewachsenen Dorfkern und einer relativ klaren Abgrenzung zur Landschaft. Südlich der Bahnlinie sind einzelne industrielle Betriebe entstanden. Der zu bearbeitende Perimeter befindet sich innerhalb dieser idyllischen Auenlandschaft auf der fachen Talsohle nördlich des Vorderrheins, immer aber noch mit Distanz zur südlichen Dorfstruktur – etwas abgelegen – eine Welt für sich. 

Sage und Legende

Die Qualität der bestehenden Campinganlage ist in erster Linie die Natur und die Lage im Tal, die Landschafts-kammern mit den umsäumenden Erlen, die spürbare Nähe zum Rhein, zum Wasser. In der Legende wird die Erle immer wieder mit Wunder und Zauber in Verbindung gebracht. Oft steht sie für das Böse, ist das Zeichen für bedrohliche, abgelegene düstere Moore, wo sie ideale Bedingungen für ihr Wachstum hat. Auch die mit magischen Kräften behaftete Wünschelrute aus Erlenholz half im Altertum der Brunnennymphe Tuturna beim Suchen von Wasserquellen. 

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Entwicklung

Das Projekt besteht grundsätzlich darin, den Campingplatz auf die ‚Landkarte des Campings‘ schweizweit und europaweit zu bringen. Dazu gehören ein entsprechender Standard für Sanitär- und Gastroeinrichtung, Spiel- und Naturerlebnisse etc. Zugleich suchen wir einen integralen Nutzen für Trun als Gemeinde und für Angebote, die über Camping hinausgehen (Langlauf-, Bikecenter, Sauna im Erlenwald, Zeltlager, Kunst- pfad etc). Wir verstehen den Camping als eines von mehreren Elementen entlang der langen Achse der Via Ogna (Schreinerei+Specksteinöfen Maissen, Kunstraum, Familiengärten, Fischzucht), die als Ganzes eine Adresse in Trun bilden.

Mit der Erneuerung der Betriebsinfrastruktur wird künftig ein ganzjähriger Betrieb des Camping Ogna möglich sein, das Potenzial der Investition muss für Trun aber noch weiter verstanden werden. Die Bündelung verschiedener Nutzungsmöglichkeiten im Neubau – für den Tourismus wie für die Bevölkerung Truns – bietet die Möglichkeit, die Vielfalt des Lebens- und Landschaftsraums unterhalb der Geleise sichtbar zu machen und besser zur Geltung zu bringen.

Wir gehen dabei – neben der Funktionalität – von der Fähigkeit von Gebäuden aus, die gemeinsame Erin- nerung an Orte und Atmosphären zu verdichten und damit Orte des kollektiven Bewusstseins zu schaffen. Dazu schlagen wir zwei typologisch deutlich unterschiedliche Gebäude vor.
Weiter gilt es, das Bild der Natur, der Waldsäume und Lichtungen zu pflegen, weiter zu entwickeln und in
die Benutzung der Landschaft zu integrieren: Parkplatz oder Spielplatz sollen keine gesonderten Orte sein, sondern Teil des Landschafts- und Naturraums Ogna. Wir wollen eine ‚True Story‘ erzählen. 

Campingbetrieb

Die bestehenden Lichtungen im Auenwald lassen eine klärende Zonierung der Campinganlage zu: Die erste Lichtung Prau America wird zum neuen Zentrum mit dem Empfang und dem Restaurant. Sie nimmt die Wohnmobile, Bungalows sowie den grossen Zeltplatz auf und ist ganzjährig offen. Gegenüber dem heutigen Standort ist die Besonnung auch über die kurzen Tage der Wintermonate gewährleistet.

Die zweite mittlere Lichtung, wo das heutige Betriebsgebäude steht, ist grundsätzlich für Dauermieter vorgesehen. Im Winter sollen künftig alle Einrichtungen zurückgebaut und die Lichtung gepflegt werden. Durch die so gelebte Saisonalität wird ‚kalten Betten‘ auf den Dauermietplätzen vorgebeugt und der Platz bleibt belebt. In dieser Lichtung wird ein einfaches „Nassgebäude“ als Ersatzneubau vorgeschlagen. Dort befinden sich die Duschen und Toiletten sowie der Waschraum und Spülstellen.

Die dritte und vierte Lichtung zum Vorderrhein sollen künftig Nicht- Baugebiet sein. Sie werden zu reinen Zeltwiesen extensiviert - „wilder Zeltplatz“ mit einfacher Wasserstelle am heutigen Standort. Gebaute ‚Terminals’ aus Blocksteinsätzen könnten das Einbooten zum Rhein in Zukunft erleichtern. Sie sollten gut aufindbar sein und sich flussabwärts 2-3mal wiederholen bis zum Kiesdelta. 

Zwei Häuser im Erlenwald

Die Aufteilung des Programms auf zwei Gebäude bietet Vorteile. Zunächst bildet die Situation den Unterschied zwischen Sommer- und Winterbetrieb ab; das Badehaus ist unbeheizt und damit nur während der Sommersaison von Mai bis Oktober in Betrieb. Das Haupthaus mit seinem markanten Dach ist damit von den Campingspezifischen Nutzungen befreit und wird zum bildhaften Vierjahreszeiten-Haus. Gegenüber dem heutigen Standort ist die Besonnung auf Prau America auch über die kurzen Tage der Wintermonate gewährleistet. Weiter kann während des Baus und Betriebs des Hauptgebäudes das bestehende Gebäude weiterhin genutzt werden. In einem zweiten Schritt kann das Sanitärhaus unabhängig neu erstellt werden.

Beide Gebäude werden begleitet von frei stehenden Bergahornen. Sie stehen als Zeichen der Zivilisation in den Lichtungen des Auenwaldes. Sie können in Bezug zum Ahorn von Trun bei St. Anna gelesen werden, bilden aber ein eigenes Ensemble mit den Betriebsgebäuden. 

 

Hauptgebäude - Empfang und Restaurant

Das neue Hauptgebäude auf der erhöhten Prau America bildet mit seiner starken Silhouette den Blickfang und Schwerpunkt. Wie die gestrickten Holzhäuser am Hang besetzt dieses die erste Lichtung. Mit seinem eingeschossigen Gebäudeteil schmiegt es sich nördlich an den Wald und den angrenzenden Weiher und bildet zusammen mit dem Tennishaus und der Fischzucht ein Ensemble. Gegen Süd- westen löst sich das Haus vom Wald ab und etabliert sich fast mittig der Lichtung – das steile Dach als Symbol von Schutz und Unterkunft im Erlenwald. 

Badehaus - Prau lung

Mit der Hoftypologie ringt das Gebäude der angrenzenden Wildnis etwas Raum ab und schafft im Inneren eine zurückgezogene, intime Atmosphäre. Es ist ein Ort zum Verweilen, wo man sich im Waschraum am Kaffeeautomaten trifft. Dieses Haus ist einfach konstruiert und wird im Winter geschlossen. Es könnte als separate zweite Etappe realisiert werden.